Schaden wiederholte Diäten deiner Gesundheit?

Alle, Ernährung, Ernährungspsychologie | 6. September 2024

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Disclaimer: Wie immer handelt es sich hierbei nicht um eine individuelle Beratung sondern rein um allgemeine Informationen und meine Sichtweise.


Die letzten Wochen habe ich mich sehr intensiv mit der Frage beschäftigt, ob Gewichtsschwankungen das Risiko für Diabetes Typ 2 beeinflussen. Ich habe nämlich meine Bachelorarbeit im Ernährungswissenschaften-Studium geschrieben und am Mittwoch abgegeben. Und nun möchte ich euch gerne von meinen Ergebnissen berichten, aber auch versuchen, es ein bisschen weiter zu fassen als nur Diabetes. Darüber habe ich aber natürlich nicht, wie ich das zu Diabetes gemacht habe, ein systematisches Review verfasst. Das ist nämlich sehr, sehr viel Arbeit, sich wirklich alle Studien zu einem Thema anzuschauen und insgesamt zu bewerten. Es ist also gar nicht so einfach, wirklich ein gutes Bild von der aktuellen Forschungslage zu einem Thema zu bekommen.


Was sind erstmal überhaupt Gewichtsschwankungen und was ist Diabetes Typ 2?

Gewichtsschwankungen werden häufig auch weight cycling genannt, denn man meint damit, dass man wiederholt Gewicht abnimmt und wieder zunimmt. So eine richtig einheitliche Definition gibt es tatsächlich nicht, was die Untersuchung davon natürlich auch erschwert. Aber meistens sind damit die Gewichtsschwankungen gemeint, die entstehen, wenn man mehrmals Diäten macht. Wenn man also Gewicht abnimmt, dann wieder zunimmt, wieder abnimmt und so weiter. Denn tatsächlich sind Reduktionsdiäten, um Gewicht abzunehmen, nur sehr selten erfolgreich. Kurzfristig sind sie erfolgreich, aber nicht langfristig, das heißt nach ein paar Jahren hat man wieder das gleiche Gewicht, das man vor der Abnahme hatte oder aber man nimmt sogar mehr zu als man zuvor abgenommen hatte und wiegt letztendlich mehr als vor der Diät.

Und in meiner Bachelorarbeit habe ich geschaut, was denn die Forschung sagt, wie sich das auf das Risiko für Diabetes Typ 2 auswirkt. Bei Diabetes Typ 2 ist es nicht so wie bei Diabetes Typ 1, dass unsere Bauchspeicheldrüse, das Pankreas, kein Insulin mehr produziert, sondern hier ist es so, dass das Gewebe insulinresistent wird. D. h., wenn Insulin an eine Zelle andockt, damit diese den Zucker im Blut in die Zelle aufnimmt, dann kann es sein, dass diese Zelle irgendwann nicht mehr so gut auf das Insulinsignal reagiert und kein Zucker aufnimmt, obwohl Insulin angedockt hat. Dadurch bleibt viel Zucker im Blut und das ist für viele Zellen nicht gut. Deswegen steuert die Bauchspeicheldrüse dagegen, indem sie mehr Insulin produziert. Dadurch entsteht dann die sogenannte Hyperinsulinämie, wir haben also mehr Insulin im Blut als das normalerweise der Fall ist. Irgendwann, wenn die Bauchspeicheldrüse immer mehr Insulin produzieren muss, gehen die Zellen der Bauchspeicheldrüse langsam auch kaputt wie beim Diabetes Typ 1. Dann manifestiert sich der Diabetes, denn jetzt kann der erhöhte Blutzucker ja nicht mehr kompensiert werden. Und einige Studien haben gezeigt, dass sowas wie der Blutzuckerwert oder der Insulinwert auch mit Gewichtsschwankungen zusammenhängen, aber es gab auch Studien, die das nicht zeigen konnten.


Der Zusammenhang zwischen Gewichtsschwankungen und Diabetes Typ 2

Wenn man sich jetzt anschaut, wie der Zusammenhang mit Diabetes Typ 2 ist, dann sieht man auch hier sehr unterschiedliche Ergebnisse. Eine Erklärung dafür könnte sein, dass das Ausgangsgewicht dabei eine Rolle spielt, ob Gewichtsschwankungen das Risiko für Diabetes erhöhen. Ich habe mir in meiner Arbeit nämlich auch angeschaut, wie der Zusammenhang zwischen Gewichtsschwankungen und dem Diabetesrisiko aussieht, wenn man in unterschiedliche Gewichtsklassen unterscheidet. Während bei Personen mit Normalgewicht Gewichtsschwankungen fast immer mit einem erhöhten Diabetesrisiko verbunden waren, waren Gewichtsschwankungen bei Personen mit Übergewicht manchmal sogar mit einem reduzierten Risiko oder mit einem unveränderten Risiko verbunden, in einigen Studien jedoch auch mit einem erhöhten Diabetesrisiko.

Auch mit anderen Erkrankungen wie Herz-Kreislauferkrankungen sind Gewichtsschwankungen verbunden und auch mit der allgemeinen Sterblichkeit zeigte sich in Metaanalysen ein Zusammenhang, also in Studien, die mehrere Studienergebnisse zusammenfassen und den durchschnittlichen Effekt aller Studien zusammen ausrechnen.  Insgesamt sind die Ergebnisse aber ebenfalls nicht komplett eindeutig. Das ist natürlich wenig befriedigend für so einen Podcast, aber leider ist es oft so in der Wissenschaft, gerade wenn man keine Experimente durchführen kann, wie es auch bei dieser Fragestellung der Fall ist. Wenn wir es hinbekämen und ethisch vertreten könnten, dass eine Gruppe für einen langen Zeitraum ein konstantes Gewicht und eine andere Gruppe in diesem Zeitraum weight cycling aufweist, dann wäre es deutlich einfacher, den Effekt von weight cycling zu untersuchen, aber das ist nun mal leider nicht der Fall.

Was würde ich nun empfehlen? Ganz wichtig ist auf jeden Fall, dass nicht Personen, die eigentlich ein gesundes Gewicht haben, Diäten machen. Es kann nämlich sein, dass gerade dieses weight cycling dazu führt, dass man nach jeder Abnahme anschließend mehr zunimmt. Studien deuten darauf hin, dass durch Gewichtsschwankungen die fettfreie Masse, also die Muskelmasse, abnimmt, während der Körperfettanteil zunimmt. Es wird angenommen, dass nach einer Gewichtsabnahme Autoregulationsmechanismen dazu führen, dass Fett und fettfreie Masse wieder zugenommen werden. Da die Fettmasse schneller wieder regeneriert als die fettfreie Masse, wird so lange weiter Fett zugenommen, bis auch die fettfreie Masse wieder ihr Ausgangsniveau erreicht hat. Dadurch könnten Gewichtsschwankungen eine Zunahme von Fettmasse bewirken. Für Personen mit weniger Fettmasse vor der Abnahme wäre das Risiko einer vermehrten Zunahme an Fettmasse besonders hoch, da bei der Abnahme mehr fettfreie Masse zur Energiebereitstellung genutzt wird. Zudem könnte es zu einer vermehrten Zunahme an viszeralem Fett kommen, also das Bauchfett, nicht das, was wir außen haben, sondern das zwischen den Organen in unserem Inneren.

Würde ich Menschen mit Übergewicht empfehlen, eine Diät zu machen? Nein bzw. es kommt auf die Diät an. Auch bei Menschen mit Übergewicht ist es einfach so, dass die meisten Diäten nicht nachhaltig sind. Deswegen sollte sich jeder, egal welches Gewicht, meiner Meinung nach darauf konzentrieren, ein gesundes Essverhalten, eine gesunde Ernährung und sonstige gesunde Verhaltensweisen zu etablieren und nicht nur den Fokus darauf zu legen, die Kalorien zu reduzieren.

Und bei solchen Studien kann man natürlich nicht auf jeden Fall individuell eingehen, deswegen werden dort die BMI-Klassen als bewährte Klassifizierung des Gewichts bzw. des BMI von vielen Menschen genutzt. Das heißt natürlich nicht, dass das auch auf eine individuelle Person zutreffen muss. Durchschnittlich eignet sich der BMI ganz gut, individuell sollte man sich schon genauer anschauen, ob eine Person ein Gewicht hat, das für sie zu hoch oder zu niedrig ist oder genau richtig.

Wenn du für dich festgestellt hast, dass du nach einer Gewichtsabnahme immer wieder zunimmst und nachher vielleicht sogar mehr wiegst als vorher, dann ist diese Diät für dich auf jeden Fall nicht gesund. Man muss ja auch die psychischen Konsequenzen beachten. Die Gefahr, dass man dadurch ein gestörtes Essverhalten oder sogar eine Essstörung entwickelt ist sehr hoch, wenn man ein solches Essmuster hat.


Musik: Back to Memories von DeKibo, verwendet unter Lizenz von Shutterstock

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