3 Ernährungsmythen, die immer wieder erzählt werden, aber einfach nicht stimmen

Alle, Ernährung | 1. Mai 2026

Höre den Beitrag auch in deiner Lieblings Podcast App:

SpotifyApple PodcastsYouTubeAmazonGoogleDeezerTuneInpodcast.de.

Heute soll es mal wieder um ein reines Ernährungsthema gehen – und zwar um Ernährungsmythen. Ich finde, das macht beim Thema Ernährung irgendwie immer am meisten Spaß.

Das Spannende ist: Das sind alles Dinge, die ich früher selbst geglaubt habe. Während meines Ernährungswissenschaftenstudiums habe ich dann aber angefangen, vieles zu hinterfragen. Ich habe mich mit den biochemischen Mechanismen beschäftigt und irgendwann überlegt: Ergibt das eigentlich wirklich Sinn?

Und bei einigen Dingen bin ich einfach zu dem Schluss gekommen: Irgendwie nicht.

Deshalb möchte ich heute drei Ernährungsmythen mit euch teilen, die ich immer noch ständig höre, bei denen ich aber denke, dass sie so nicht stimmen.


Mythos 1: Zucker ist schlecht für das Darmmikrobiom

Das ist etwas, was ich ganz oft gehört habe – und auch selbst lange geglaubt habe. Im Laufe des Studiums habe ich mich dann irgendwann gefragt: Wie genau soll das eigentlich funktionieren? Was ist der Mechanismus dahinter? Und ich bin ehrlich: Ich bin nie auf einen gekommen. Wir haben nämlich bei der ganzen Sache ein entscheidendes Problem: Zucker kommt normalerweise gar nicht im Dickdarm an. Wenn Zucker im Darm ankommt, hat das ziemlich drastische Konsequenzen. Zucker ist osmotisch wirksam, das heißt, er zieht Wasser an. Das würde dann zu Durchfall führen. Das ist auch der Grund, warum Intoleranzen wie Laktose- oder Fructose-Intoleranz Beschwerden machen. Dabei handelt es sich um Zuckerarten, die im Dünndarm nicht richtig aufgenommen werden können und deshalb in den Dickdarm gelangen. Und genau dort sitzt der größte Teil des Darmmikrobioms. Das heißt: Wenn Zucker im Dickdarm landet, dann ist das eigentlich nicht normal, sondern pathologisch. Normalerweise wird Zucker im Dünndarm aufgenommen und kommt deshalb mit dem Darmmikrobiom im Dickdarm gar nicht wirklich in Kontakt. 

Deshalb habe ich mich gefragt: Wie soll Zucker dann direkt das Darmmikrobiom negativ beeinflussen? Der einzige Mechanismus, den ich kenne, ist eher ein indirekter. Wenn wir viele zuckerreiche Lebensmittel essen, essen wir weniger von anderen Dingen – insbesondere weniger Ballaststoffe. Zucker enthält nun mal keine Ballaststoffe. Das Problem wäre dann also nicht der Zucker selbst, sondern eher eine ballaststoffarme Ernährung. Und das ist tatsächlich schlecht für das Darmmikrobiom.


Mythos 2: Milch fördert Entzündungen

Das ist auch so ein Mythos, den schon oft gehört habe. Hier habe ich mir mal die Studienlage dazu angeschaut. Damals habe ich nach Themen für meine Bachelorarbeit gesucht und überlegt, ob man vielleicht über diesen Zusammenhang schreiben könnte. Also habe ich angefangen zu recherchieren – und bin dabei auf viele Meta-Analysen gestoßen. Meta-Analysen fassen viele einzelne Studien zusammen und berechnen daraus einen übergeordneten Effekt. Und das Ergebnis war ziemlich eindeutig: Entweder hatte Milch gar keinen Effekt auf Entzündungen oder – wenn überhaupt – eher einen entzündungshemmenden Effekt. Ich habe keine einzige Meta-Analyse gefunden, die gezeigt hat, dass Milch Entzündungen fördert. Woher die Leute, die behaupten, Milch fördere Entzündungen, ihre Meinung haben, weiß ich also nicht. Die Daten dafür haben wir auf jeden Fall nicht. Ich vermute da einen Marketing-Einfluss 😉


Mythos 3: Dinkel ist gesünder als Weizen

Das ist vielleicht nicht komplett ein Mythos, weil schon etwas dran ist – aber eben deutlich weniger, als oft dargestellt wird. Ich habe früher auch oft lieber Dinkelprodukte gekauft, weil ich dachte, das sei deutlich gesünder als Weizen. Wenn man sich die Nährstoffe aber mal genauer anschaut, sieht man: Die Unterschiede sind gar nicht so riesig. Dinkel hat zum Beispiel etwas mehr Protein. Beim Ballaststoffgehalt liegt dagegen das Weizenmehl vorne. Auch bei einigen Vitaminen hat Weizen mehr, zum Beispiel bei Vitamin E, Vitamin B2, Pantothensäure, Vitamin B6 und Folat. Dinkel liegt dafür bei vielen Mineralstoffen vorne, zum Beispiel bei Magnesium, Eisen, Zink oder Mangan. Aber insgesamt kann man daraus nicht ableiten: Dinkel = gesund, Weizen = ungesund. Der Unterschied ist nicht so weltbewegend, wie oft dargestellt wird. Dafür, finde ich, schmeckt Weizen häufig besser als Dinkel, sodass ich definitiv empfehle: Lieber Vollkornweizennudeln nehmen, als Dinkelnudeln, die kein Vollkorn sind.




Musik: Back to Memories von DeKibo, verwendet unter Lizenz von Shutterstock

Weitere Artikel

Interview mit Andrea Ammann über Selbstliebe, Körperbild und die Entscheidungen zum glücklich sein

Sende mir eine Nachricht

Hast du Interesse an einer Beratung oder andere Fragen? Dann schreib mir gerne eine Nachricht über das Kontaktformular. Ich freue mich, von dir zu hören!

Ich antworte auf jede Nachricht! Wenn du keine Antwort von mir bekommen solltest, schau auch in deinen Spam-Ordner, dann ist meine Antwort bestimmt dort gelandet!

Deine Daten werden ausschließlich zur Beantwortung deiner Anfrage genutzt. Darüber hinaus erfolgt keine Verarbeitung und Nutzung deiner Daten und es findet keine Weitergabe an Dritte statt. Es gelten die Bestimmungen in der Datenschutzerklärung.