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Oft sieht man, z. B. auf Social Media, dass sowas wie Kuchen, Desserts oder andere Treats in gesünder nachgestellt werden. Es wird weniger Zucker verwendet oder dieser komplett mit Zuckerersatzstoffen ersetzt, das Mehl durch Haferflocken, Vollkornmehl oder gemahlene Nüsse ersetzt, Proteinpulver verwendet, um die Sache proteinreicher zu machen oder es wird weniger Öl verwendet, um die Sache kalorienärmer zu machen. Manchmal wird sogar Gemüse wie Zucchini untergemischt, um die Sache kalorienärmer und nährstoffreicher zu machen.
Ist es aus ernährungsphysiologischer Sicht sinnvoll, Treats in gesünder nachzustellen?
Aus ernährungsphysiologischer Sicht sind diese Anpassungen unterschiedlich sinnvoll. Es kann sinnvoll sein, die Fett- und Zuckermenge zu reduzieren, um die Kalorienmenge zu reduzieren. Auch kann es sinnvoll sein, den Proteingehalt zu erhöhen. Der Sättigungsgrad steigt dadurch und es wird der Muskelaufbau und -erhalt unterstützt. Vollkornmehl, Haferflocken oder gemahlene Nüsse erhöhen den Nährstoffgehalt im Vergleich zu Weißmehl, also z. B. das klassische Mehl Typ 405. Gemüse zu verwenden ist aus ernährungsphysiologischer Sicht immer eine gute Idee, es wird das Volumen und somit der Sättigungsgrad erhöht und der Nährstoffgehalt und der Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen steigt an. Einige Arten, Zucker zu ersetzen bringen keinen großen Vorteil, wie z. B. Dattelzucker oder Agavendicksaft, weil auch hier einfach Zucker verwendet wird und keine bedeutenden Mengen an Nährstoffen enthalten sind. Auch sind diese Arten an Zucker nicht natürlicher. Mehr dazu erfährst du in der Folge 9. Aber schaden tut es auch nicht.
Aus ernährungsphysiologischer Perspektive spricht also nichts gegen diese Veränderungen klassischer Treats, im Gegenteil, sie sind meistens sehr zu begrüßen.
IST ES AUS Psychologischer SICHT SINNVOLL, TREATS IN GESÜNDER NACHZUSTELLEN?
Aus psychologischer Perspektive muss man das Ganze differenzierter betrachten. Wenn du Appetit auf einen Schokokuchen hast und dir dann aber, weil du abnehmen möchtest oder dich gesünder ernähren möchtest, einen Kuchen aus Haferflocken, Kakao, Schoko-Proteinpulver und vielleicht noch Zucchini darin machst, dann mag das ja durchaus ganz gut schmecken, aber ganz sicher nicht, wie der klassische Schokokuchen, auf den du Lust hattest. Und diese Lust auf normalen Schokokuchen wird dadurch nicht weniger. Vielleicht wird sie manchmal kurzfristig weniger, aber wenn du wirklich Appetit auf Schokokuchen hast, dann wird dieser langfristig dadurch bestehen bleiben. Das kann dazu führen, dass du einfach nach deinem gesunden Kuchen noch zusätzlich den richtigen Kuchen isst oder aber du hast am nächsten Tag z. B. wieder Lust auf Schokokuchen.
Anders sieht es aus, wenn du ein großer Schokoladenfan bist und dir deswegen z. B. zum Frühstück ein Baked Oatmeal mit Kakao machst. Also quasi der Schokokuchen von eben als Frühstück. Und ab und zu, wenn du Lust auf einen Schokokuchen hast, dann machst du dir zusätzlich den richtigen Schokokuchen.
Ich glaube viele kreieren sich Dinge in gesünder, weil sie immer Lust auf z. B. Schokokuchen haben. Und deswegen denken sie, müssen sie ihn in gesünder machen, denn sonst würden sie ja ständig Schokokuchen essen.
Andere Beispiele sind Lebensmittel, die man kaufen kann, wie Protein-Cookies, Proteinpuddings oder Kekse. Alles in proteinreich und zuckerfrei, damit man vermeintlich soviel davon essen kann, wie man möchte. Ich bin ja der Meinung, dass diese Dinge nur wirklich gut schmecken, wenn man auf Diät ist 😀 Ich hatte auch mal eine Zeit, in der ich ein eher gezügeltes Essverhalten hatte und all diese Dinge echt total lecker fand. Heutzutage, wo ich definitiv kein gezügeltes Essverhalten habe, schmeckt mir gar nichts mehr davon 😀 Heutzutage esse ich einfach ab und zu, wenn ich Lust darauf habe, normale Kekse und normalen Kuchen.
Die Lösung ist also nicht, immer mehr in gesund nachzustellen, sondern die Lösung ist ein gesundes Essverhalten, also eines, das nicht gezügelt ist, das nicht von Verboten geprägt ist. Wenn man dieses Verbots-Mindset loswird, dann ist man auch nicht in der Situation, dass man ständig und immer Schokokuchen essen möchte. Und dann ist es auch gar kein Problem einen Kuchen mit Zucker und wenig Nährstoffen und viel Fett zu essen, weil es die Ergänzung einer gesunden Ernährung ist und dem Genuss dient.
Gesündere Alternativen sollten also weniger ein Ersatz, sondern mehr eine Ergänzung zu den Treats sein, auf die man Appetit hat. Zusätzlich sollte der Fokus darauf liegen, wieder ein gesundes Essverhalten ohne starke Cravings zu entwickeln, damit diese vielen Alternativen nicht mehr notwendig sind.
Wenn du jetzt überlegst, ob du ein gezügeltes Essverhalten hast, weil du z. B. starke Cravings und Heißhunger hast, dann melde dich doch hier zu meinem kostenlosen E-Mail-Kurs zu genau diesem Thema an.
Musik: Back to Memories von DeKibo, verwendet unter Lizenz von Shutterstock
