Brauchen wir mehr Disziplin, um Diäten durchzuziehen?

Alle, Ernährungspsychologie | 2. August 2024

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Eine Diät „durchzuziehen“, sie nicht irgendwann abzubrechen, das ist der große Struggle, das, womit jeder zu kämpfen hat. Aber warum ist das eigentlich so? Fehlt uns die Disziplin? Sind wir nicht willensstark genug? Ist die Lebensmittelindustrie Schuld, die Lebensmittel entwickelt, die sogar süchtig machen? All diese Dinge hört man immer wieder, was also ist der wahre Grund?

Wie immer meine ich mit Diäten all die Ernährungsformen, die dazu bestimmt sind, Gewicht zu verlieren. Diät bedeutet ja eigentlich einfach nur Ernährungsform, also fällt auch sowas wie z. B. eine laktosefreie Ernährung darunter, aber das meine ich nicht, sondern eben die klassischen Diäten zum Abnehmen.


Diäten sind schwer, wenn wir gegen unsere Psyche ankämpfen

Dafür, dass Diäten scheitern, sind natürlich ganz viele verschieden Gründe verantwortlich, also eine ganz einfache Antwort gibt es natürlich nicht auf diese Frage. Und unsere Lebensbedingungen können ein Grund sein. Dass unser Körper evolutionär an andere Gegebenheiten angepasst ist, nicht an ein solch großes Angebot an Nahrung. Aber ich bin der Überzeugung, wir haben immer noch ganz viel selbst in der Hand. Zu der Frage, ob uns Lebensmittel süchtig machen, habe ich schon eine Podcastfolge, und zwar die Folge 14. Ich glaube, die meisten „Süchte“ kommen tatsächlich davon, dass man sich diese Lebensmittel verbietet und deswegen umso mehr möchte. Das kann ein Grund sein, warum man eine Diät irgendwann aufhört, weil sie gewisse Lebensmittel ausschließt, als schlecht betitelt, als verboten, und dann kämpft man gegen die eigene Psyche an, die uns da so ein bisschen einen Strich durch die Rechnung macht. Deswegen sollten die Maßnahmen, die man umsetzt, um z. B. die Ernährung zu verändern immer so gestaltet werden, dass sie auch psychologisch sinnvoll sind, sonst bringt uns die bestgemeinteste, gesündeste Ernährung nichts, wenn sie nur dazu führt, dass wir Essanfälle bekommen und dann doch all das essen, was wir eigentlich nicht essen wollten.

Ich glaube, dass es niemandem mit einem gesunden Stoffwechsel schwer fallen muss, nur so viel zu essen, wie er benötigt. Ein paar grundsätzliche Regeln, ein paar gute Gewohnheiten, achtsames Essen, Hunger- und Sättigungssignale spüren können und eine gesunde, nicht zu energiereiche Ernährung fällt nicht schwer. Das muss man manchmal erst wieder erlernen, also vor allem Hunger- und Sättigungssignale wieder richtig wahrnehmen zu können, z. B. wenn man schonmal Diäten gemacht hat. Aber wenn man sich diese Basis aufgebaut hat, dann muss eine gesunde Ernährung wirklich nicht schwer fallen und dann braucht man auch keine besonders große Willenskraft oder Disziplin. Das Problem, wenn man Diäten nicht durchziehen kann, ist also nicht zu wenig Willenskraft oder Disziplin, denn davon braucht man gar nicht so viel wie viele denken. Wenn man es richtig macht. Die braucht man nur, wenn man es falsch macht 😀


DIÄTEN SIND SCHWER, WENN WIR GEGEN UNSEREn Körper ANKÄMPFEN

Allerdings gibt es auch viele Menschen, die das für sie optimale Gewicht, also aus der Körperperspektive, nicht für ihren persönlichen Geschmack, aber für den Körper, eigentlich haben, aber trotzdem abnehmen möchten und deswegen weniger essen möchten als sie benötigen. Und dann arbeiten wir gegen unseren Körper. Und der Körper kann wahnsinnig starke Geschütze auffahren.

Es war bestimmt jeder schon mal in der Situation, dass er Durst hatte. So richtig, richtig doll, dass du dir vorgestellt hast, was du gleich trinken wirst, davon geträumt hast und es einfach wenig gibt, was sich so toll anfühlt wie dieser Moment, wenn man endlich trinken kann. Genau so eine Situation hatte ich vor Kurzem, nach einem langen, heißen Tag. Ein Professor von mir sagt immer, wenn man richtig Durst hat, dann würde man sogar aus der Toilettenschüssel trinken. Ich habe mir das neulich in der Situation mal vorgestellt, also so weit war ich definitiv noch nicht, aber ich bin mir sicher, irgendwann, wenn man wirklich kurz vor dem Verdursten ist, dann denkt niemand mehr darüber nach, ob er aus der Toilettenschüssel wirklich trinken will. Also in der komischen Situation, in der man nur eine Toilettenschüssel mit Wasser hat, aber nichts anderes 😀

Der Durst ist ein gutes Beispiel, bei dem man recht schnell merkt, was der Körper für heftige Signale senden kann und wenn man sich dann vorstellt, man stünde vor der Wahl, den Traumkörper zu erreichen oder trinken, dann würde jeder das Trinken wählen. Es gibt keine Gewohnheiten, zumindest keine gesunden, mit denen man es hinbekommt, ohne Willenskraft gegen den Hunger anzukämpfen. Wenn man das hat, dann ist das eine Essstörung, das heißt, das ist definitiv nichts Erstrebenswertes und gesundes. Wenn man gegen den Hunger ankämpft, dann braucht man auf jeden Fall Willenskraft und Disziplin. Aber! Willenskraft und Disziplin sind nicht endlos. Willenskraft und Disziplin brauchen sich auf, das heißt, wenn man auf der Arbeit z. B. schon ganz viel Selbstkontrolle, schon ganz viel Willenskraft aufwenden musste, dann ist am Ende des Tages nicht mehr viel davon übrig. Und man kämpft einfach gegen einen ganz, ganz starken Gegner, nämlich den Körper, der alles daran setzt zu überleben und der jetzt denkt, er verhungert.

Deswegen hat es nichts mit Willensschwäche oder Disziplinlosigkeit zu tun, wenn man dem Bedürfnis zu essen, irgendwann doch nachgibt und wenn man irgendwann beschließt, das man so nicht leben möchte. Das ist einfach die völlig vernünftige Entscheidung. Das wäre einfach viel zu schade, sein Leben so zu leben.


Wir brauchen für Diäten also nur dann viel Willenskraft und Disziplin, wenn wir gegen unsere Psyche oder gegen unseren Körper ankämpfen, aber wenn wir es richtig machen, dann kann es einfach fallen, uns gesund zu ernähren.




Musik:
 
Back to Memories von DeKibo, verwendet unter Lizenz von Shutterstock

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