Kann jeder abnehmen?

Alle, Ernährung, Ernährungspsychologie | 15. März 2024

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Ich möchte heute mit euch ein Modell teilen, das alles zu der Frage „Kann jeder abnehmen?“ vereint, was ich zu dem jetzigen Stand weiß. Und die einfache Antwort ist erstmal: Ja. Allerdings nur kurzfristig. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum noch immer so stark die Vorstellung besteht, dass man sein Gewicht beliebig verändern kann. Und warum Abnehmcoachings immer noch so erfolgreich sind und so viele vermeintlich auch damit abnehmen, denn zwischen den Vorher-Nachher-Bildern liegen ja nie über 3-5 Jahre. Am Ende des Coachings sind fast alle zufrieden, weil sie abgenommen haben. Wenn man aber nach drei bis fünf Jahren fragen würde, dann sähe die Sache schon anders aus. Es wären gewiss einige erfolgreich, aber bestimmt nicht alle. Und einige würden sogar noch mehr wiegen als vor der Diät. Woran liegt das?


Die Set Point Theorie

In der Psychologie geht man davon aus, dass die meisten Merkmale normalverteilt sind. Vielleicht erinnert ihr euch noch an die Normalverteilung aus dem Matheunterricht. Es gibt einen Mittelwert, das ist der höchste Punkt der Verteilung und zu den Seiten läuft die Verteilung aus, sodass je weiter nach rechts und nach links man geht, immer weniger dieses Merkmal tragen. Eine Normalverteilung geht zu beiden Seiten ins Unendliche. Das ist natürlich bei menschlichen Merkmalen nicht der Fall, ich gehe nicht davon aus, dass es irgendwann auch mal einen Menschen geben wird, der 3000 Meter groß ist. Aber im Prinzip stellt so eine Normalverteilung viele Merkmale gut dar. Ganz kleine und ganz große Werte werden immer seltener, sind aber bis zu einem gewissen Grad auch möglich. Und ich denke, auch das Gewicht kann mit dieser Verteilung gut beschrieben werden.

Das Schönheitsideal liegt dabei sehr weit links in der Verteilung, also bei einem sehr niedrigen Gewicht. Der Mittelwert liegt weiter rechts. Und dann gibt es aber auch noch jede Menge Menschen noch weiter rechts vom Mittelwert, die aber immer mehr den Eindruck haben zu schwer zu sein, obwohl das das für sie optimale Gewicht ist.

Das wird auch mit der sogenannten Set Point Theorie beschrieben. Jeder hat ein Gewicht, das vom Körper immer wieder angestrebt wird. Wenn dein Set Point, dein optimales Gewicht also eher rechts in der Kurve liegt und du jetzt von einem Ernährungsberater oder Arzt oder Fitnesstrainer oder Influencer hörst: Ich habe schon so vielen Menschen dabei geholfen, abzunehmen. Du schaffst das auch. Dann denkst du dir verständlicherweise: Ach, ich wäre schon gerne schlanker, mache ich das doch mal. Und kurzfristig kann es auch sehr gut sein, wenn du motiviert bist, dass du abnimmst. Irgendwann merkst du aber: Wenn du nicht dein Leben lang ständig hungrig sein möchtest, dann müsstest du etwas mehr essen. Und zwar genau so viel, wie du vorher auch gegessen hast, denn du hast für dein persönliches optimales Gewicht ja nicht zu viel gegessen. Wenn du weniger isst, als du eigentlich brauchst, dann musst du immer hungern. Unter deinem optimalen Gewicht musst du immer hungern, wenn du weniger wiegen möchtest.

Wenn du aus irgendwelchen Gründen mehr wiegst als dein optimales Gewicht, dann kannst du abnehmen. Wenn du z. B. eine sehr stressige Phase hattest, kann es sein, dass du zunimmst. Deswegen spreche ich von Übergewicht (im Sinne von über deinem optimalen Gewicht) auch immer als Symptom, nicht als Problem an sich. Wenn die stressige Phase vorbei ist oder du etwas anpasst, sodass es nicht mehr so stressig ist, dann nimmst du quasi ganz von allein wieder ab. Und zwar wieder bis zu deinem Set Point. Über diesem ist eine Abnahme also möglich, unter diesem ist sie immer mit hungern verbunden. Deswegen kann es auch sein, dass einige erfolgreich abnehmen, weil sie ÜBER ihrem Set Point lagen.

Hier könnt ihr euch das auch noch mal in einer Grafik anschauen, die ich für Instagram erstellt habe.


Warum wir durch Diäten zunehmen können

Können wir diesen Set Point verschieben? Nach oben glaube ich ja. Und zwar durch Diäten, bei denen wir weniger essen, als unser Körper benötigt, um das für uns optimale Gewicht aufrecht zu erhalten. Weil wir damit unserem Körper suggerieren, dass es eine Hungersnot gibt und der Körper sich dadurch auf schlechte Zeiten einstellt.

Nach unten ist mir zur Zeit nichts bewusst. Das ergibt auch durchaus Sinn, denn während zu wenig Nahrung in der Evolution keine Seltenheit war, während Verhungern eine sehr reale Gefahr war und ja auch immer noch ist, sodass unser Körper dafür Vorkehrungen getroffen hat, war zu viel Nahrung noch nie ein Problem. Deswegen ist es recht logisch, dass die Evolution keine Möglichkeiten der Anpassung des Set Points nach unten hervorgebracht hat. Das wäre schlichtweg zu gefährlich gewesen, wenn dann doch die Nahrung zu knapp geworden wäre.  


Musik: Back to Memories von DeKibo, verwendet unter Lizenz von Shutterstock

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