Alles auf den Kopf gestellt?! Warum du dich von den US Dietary Guidelines nicht verunsichern lassen musst

Alle, Ernährung | 16. Januar 2026

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Die neuen Ernährungsempfehlungen sind da und sorgen für allerlei Aufsehen. So ganz einig ist man sich jedoch nicht – sind sie katastrophal, super oder ist doch alles gleich geblieben?!

Es soll der Eindruck erweckt werden, als wenn alles auf den Kopf gestellt worden wäre. Als wenn alles andere zuvor völliger Schwachsinn und der Grund für die schlechte Gesundheit der Amerikaner gewesen wäre und jetzt endlich mal jemand kommt, der die Wahrheit sagt. Insgesamt sind die Leitlinien jedoch das Ergebnis einer Ideologie, die an den Tatsachen der ernährungswissenschaftlichen Erkenntnisse scheitert – das Ergebnis sind die gleichen Empfehlungen wie immer, zusammen mit komisch wirkenden Fehlern und einer dazu völlig unpassenden Pyramide.


Im Großen und Ganzen ist vieles gleich geblieben:

  • viel Obst und Gemüse
  • viel Vollkorngetreide (obwohl es in der Pyramide ganz unten gelandet ist, hat es eine der höchsten Portionenangaben)
  • proteinreiche Lebensmittel zu jeder Mahlzeit
  • hochverarbeitete Lebensmittel reduzieren und den Fokus auf natürliche Lebensmittel legen (tendenziell, verarbeitete Lebensmittel sind aber nicht immer ungesund! Siehe hier)
  • Gesättigte Fettsäuren (v. a. in tierischen Lebensmitteln) sollten 10 % der täglichen Kalorien (etwa 20 g) nicht übersteigen (Diese Empfehlung stimmt überhaupt nicht mit der Pyramide überein. Wenn man so viel tierische Lebensmittel isst, wie in der Pyramide abgebildet, übertrifft man die 10 % bei weitem!)


Was hat sich verändert?

  • Es wird Vollmilch statt fettarmer Milch empfohlen. Den Grund, warum nun Vollmilch empfohlen wird, konnte ich in dem dazugehörigen wissenschaftlichen Bericht nicht finden. Meine Vermutung ist, dass es mit der Vorstellung zusammenhängt, natürlich wäre auch gesünder. Ich weiß nicht, wie das in den USA gemacht wird, aber in Deutschland wird der Milch prinzipiell das Fett entzogen und später der Vollmilch wieder zugesetzt. Beides ist also gleich natürlich. Was die fettarme Milch weniger enthält, sind wertvolle Fettsäuren, wie Omega 3 Fettsäuren, (diese sind vor allem in der Weidemilch enthalten), allerdings enthält die Vollmilch auch mehr der gesättigten Fettsäuren.
  • Die Proteinempfehlung ist auf 1,2 bis 1,6 Gramm pro kg Körpergewicht pro Tag gestiegen. Die Empfehlung finde ich nicht schlecht, ich würde sie jedoch so umsetzen, dass ich zu jeder Mahlzeit darauf achte, auch eine Proteinquelle dabei zu haben.
  • Es wird Butter und Rindertalg (Beef Tallow) zum Braten empfohlen. Auch hier habe ich in dem Bericht keine Begründung dafür gefunden, außer einen Verweis auf die Schädlichkeit oxidierter Fettsäuren. Das erinnert mich sehr an die Anti Seed Oil Ideologie. In der Ernährungswelt und vor allem auf Social Media geistert eine Ernährungsideologie umher, die Natürlichkeit propagiert und vor allem Samenöle (auf englisch seed oils) ablehnt. Das sind Öle wie Leinöl, Rapsöl oder Sonnenblumenöl. Was diese Öle auszeichnet sind viele mehrfach ungesättigte Fettsäuren, die essenziell für uns sind, die jedoch, vor allem wenn sie erhitzt werden, sehr schnell oxidieren und dann gesundheitsschädlich sind. Deswegen werden Öle, die zum Braten gedacht sind, wie Rapsöl oder Sonnenblumenöl, raffiniert. Raffination ist ist ein Behandlungsprozess, bei dem das Öl so verändert wird, dass es stabiler ist und dadurch auch bei sehr hohen Temperaturen nicht oxidiert. Dabei werden auch chemische Mittel verwendet, die jedoch alle wieder aus dem Öl herausgefiltert werden. Dadurch ist vor allem Rapsöl mit seinem sehr gesunden Omega-3 zu Omega-6-Fettsäuren-Verhältnis eine sehr gute Wahl zum Braten. 

Die "Natürlichkeits-Ideologie"

Die Natürlichkeits-Ideologie propagiert die Meinung, dass alles natürliche gesund und alles unnatürliche ungesund ist. Vor allem tierische Lebensmittel sind häufig sehr naturbelassen, sodass eine Ernährungsform, die nur darauf fokussiert, möglichst natürlich zu sein, auch sehr reich an tierischen Lebensmitteln und dadurch an gesättigten Fettsäuren ist. Die Datenlage, dass gesättigte Fettsäuren das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen, ist ziemlich eindeutig (deswegen steht es vermutlich auch noch so in den US Dietary Guidelines drin). Da das jedoch nicht so gut mit der Erzählung natürlich = gesund zusammenpasst, musste ein anderer Sündenbock für die gestiegenen Herz-Kreislauf-Erkrankungen gefunden werden und da boten sich die chemisch bearbeiteten Samenöle an. Trotz zahlreicher Studien an Menschen, die zeigen, dass Samenöle gesünder sind als Fette mit vielen gesättigten Fettsäuren wie Butter oder Rindertalg, wird behauptet, dass Samenöle durch schädliche Oxidierungen der Gesundheit schaden. Hier wird völlig durcheinander gebracht, dass oxidierte Fette zwar tatsächlich schädlich sind, aber dass nicht die chemische Bearbeitung zur Oxidierung führt, sondern dass die chemische Bearbeitung diese Oxidierungen reduziert.


Fazit

Bis auf ein paar Unstimmigkeiten wurde also nicht viel geändert. Es geht immer noch darum, viel Obst und Gemüse zu essen sowie Vollkorngetreide, den Fokus eher auf natürliche Lebensmittel zu legen, und auf Protein in Mahlzeiten zu achten. Die Pyramide vermittelt den Eindruck als wenn sehr viel mehr tierische Lebensmittel empfohlen werden, was mit der Begrenzung von gesättigten Fettsäuren auf 10 % der Energie jedoch nicht zusammenpasst. Die bisherigen Empfehlungen sind also nicht falsch und wurden auch nicht komplett auf den Kopf gestellt, sondern im Großen und Ganzen beibehalten.


Musik: Back to Memories von DeKibo, verwendet unter Lizenz von Shutterstock

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