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Heute möchte ich anfangen, mich dem großen Thema Stress zu widmen und heute geht es darum, wie sich Stress auf unser Gewicht auswirkt.
Was ist Stress und wie kann man ihn operationalisieren?
Erst einmal: Was ist Stress? Es gibt verschiedene Definitionen und Konzepte von Stress, aber letztendlich ist Stress die psychische und physische Reaktion unseres Körpers auf eine als bedrohlich wahrgenommene Situation.
Wenn man Stress messen möchte, dann muss man Stress eindeutig definieren bzw. etwas genauer: operationalisieren. Und wie mein Methodenlehre-Professor immer gesagt hat: Wenn man Operationalisierung streng versteht, dann wird damit auch das Merkmal definiert. Denn das ist das Problem in der Psychologie. Was genau ist Stress? Im allgemeinen Sprachgebrauch meinen wir, wenn wir sagen „Ich bin gestresst“ auf jeden Fall ein ungutes Gefühl, vielleicht meinen wir Zeitdruck, vielleicht meinen wir Druck allgemein, das Gefühl einer Bedrohung. Was genau meinen wir eigentlich, wenn wir von Stress reden? Wenn ich Stress messen will, muss ich ja ganz genau wissen, was ich da messen möchte und wie ich das messen kann. Wir können Stress als ein latentes Merkmal verstehen, also ein Merkmal, das nicht direkt beobachtbar ist, sondern nur indirekt bestimmt werden kann, über andere Merkmale, die von dem gesuchten latenten Merkmal beeinflusst werden. Nehmen wir z. B. Intelligenz. Wir können sagen, Intelligenz ist das Ergebnis des Intelligenztests. Was ich persönlich nicht tun würde. Oder aber wir sagen, das Ergebnis im Intelligenztest ist nur das Ergebnis im Intelligenztest, hat aber einen gewissen Zusammenhang mit dem latenten, nicht messbaren Merkmal Intelligenz. Wir können also nur das Ergebnis des Intelligenztests messen und davon Rückschlüsse auf die Intelligenz ziehen, wir können jedoch nicht Intelligenz selbst messen.
Überleg mal kurz: Wie würdest du Stress messen?
Ist das wirklich Stress, was du mit deiner Methode messen würdest? Oder ist es vielleicht doch ein anderes Merkmal, was du gerade operationalisiert hast, also ein anderes Merkmal, für das du dir eine Messprozedur überlegt hast und doch nicht Stress? Und das ist einer der Gründe, warum ich die Psychologie so liebe, weil man sich über solche Dinge Gedanken machen kann 😀
Eine Methode Stress zu operationalisieren, und damit, wenn man die Operationalisierung also streng meint, zu definieren oder eben einfach ein Messinstrument, um Stress möglichst gut zu erfassen ist die Aktivität des sympathischen Nervensystems und/oder der HPA-Achse, der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse. Das sind nämlich die physiologischen Reaktionen, die eine besonders große Rolle spielen. Somit ist alles, was diese aktiviert, ein Stressor. Das können reale Gefahren sein wie der klassische Säbelzahntiger, dem wir heutzutage natürlich nicht mehr begegnen. Heutzutage sind oft unsere Gedanken die größten Stressoren. Angst vor irgendetwas in der Zukunft, das noch nicht eingetreten ist.
Stress führt zur Einlagerung von Fett in die Bauchregion
Wenn Stressoren also auf uns einwirken, wird die HPA-Achse aktiviert. Diese besteht aus dem Hypothalamus im Gehirn, der Hypophyse, einer Hormondrüse, die vom Hypothalamus gesteuert wird und quasi das gesamte Hormonsystem reguliert und die Schnittstelle zwischen Gehirn und Hormonsystem darstellt, und der Nebennierenrinde, welche dann Cortisol sezerniert. Cortisol aktiviert die Lipoproteinlipase, die eine große Rolle dabei spielt, dass Fettsäuren in Fettzellen aufgenommen werden können. Außerdem verhindert Cortisol, wenn Insulin dazu kommt, den Fettabbau. Vor allem im viszeralen Fettgewebe, also das zwischen den Organen, das Fett, das stoffwechselaktiv ist und Entzündungen fördert, vor allem dort wird Fett vermehrt eingelagert. Hinzu kommt, dass durch die Aktivierung der HPA-Achse, die Sekretion des Wachstumshormons und der Geschlechtshormone gehemmt, also reduziert, wird. Diese haben dem Cortisol entgegengesetzte Wirkungen und wenn diese gehemmt werden, dann verstärkt das dadurch die Wirkung des Cortisols.
Wenn man also langfristig viel Stress hat, dann ist die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass man mehr viszerales Fett einlagert. Dies ist individuell, genetisch bedingt, unterschiedlich stark ausgeprägt. Auch eine generelle Zunahme an Fett, also unabhängig davon, wo man Fett einlagert, steht mit Stress im Zusammenhang. Es gibt Hinweise darauf, dass auch hier möglicherweise das Cortisol eine Rolle spielt und eine Leptinresistenz bewirkt. Leptin ist ein Sättigungshormon, das vom Fettgewebe produziert wird und dadurch normalerweise die Sättigung steigert, wenn zu viel Energie aufgenommen und deswegen eingespeichert wurde. Es kann jedoch so etwas wie eine Leptinresistenz entstehen, bei der zwar viel Leptin produziert wird, die Sättigung aber nicht dementsprechend hoch ausfällt. Das wird möglicherweise durch Stress gefördert.
Stress verringert unsere kardiometabolische Gesundheit
Natürlich hat Stress nicht nur einen Einfluss auf unser Gewicht, sondern auch auf unsere Gesundheit. Natürlich auf unsere psychische Gesundheit, aber auch auf unsere physische Gesundheit. So können metabolische Veränderungen bewirkt werden, die zum metabolischen Syndrom führen. Dieses zeichnet sich durch Zucker- und Fettstoffwechselstörungen sowie Bluthochdruck aus.
Stressoren können auch ganz unabhängig von den physiologischen Reaktionen unser Gewicht beeinflussen, indem wir, wenn wir beispielsweise Zeitdruck haben, weniger Zeit haben, uns gutes Essen zu kochen und dadurch viele energiedichte Lebensmittel, von denen man einfacher zu viel essen kann, essen. Oder weil der Stress zu emotionalem Essen führen kann. Oder weil wir dadurch schlechter schlafen und dadurch Heißhunger bekommen.
Stress ist auf jeden Fall nichts, was wir einfach so hinnehmen sollten, sondern gegen das wir aktiv etwas unternehmen dürfen. Und wie ein gutes Stressmanagement aussehen kann, darum wird es in der nächsten Folge gehen.
Musik: Back to Memories von DeKibo, verwendet unter Lizenz von Shutterstock
