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Vorurteile oder Schubladendenken begegnen uns im Alltag immer wieder. Aber auch in der Ernährung haben wir sie, oft auch unbewusst. Heute soll es darum gehen, warum es sinnvoll sein kann, sich diese bewusst zu machen und wie sie zu Heißhunger und Essanfällen führen können.
Die Schubladen "gesund" und "ungesund"
Schubladendenken oder Vorurteile kennen wir alle aus unserem Alltag mit anderen Personen. Wir ziehen, wenn wir jemanden das erste Mal treffen, aufgrund weniger Eigenschaften Schlüsse über die Person. Dabei sollten wir uns natürlich bewusst sein, dass diese Schlüsse in den meisten Fällen nicht ganz stimmen oder auch überhaupt nicht. Es ist jedoch so, dass dieses „in Schubladen stecken“ eine wichtige Vorgehensweise unseres Gehirns ist, um schnell zu erkennen, ob Gefahr besteht oder nicht. Unser Gehirn muss quasi Wege finden, mit der Vielzahl an Informationen, die uns umgibt, klar zu kommen. Dafür bildet es Heuristiken, also so etwas wie Faustregeln, es lernt, was in bestimmten Situationen mit bestimmten Hinweismerkmalen besonders wahrscheinlich ist. Dies tun wir unbewusst nicht nur bei Menschen, sondern auch mit Lebensmitteln. Wir wissen oder glauben – aus den Medien, von unseren Verwandten und Bekannten, aus der Schule etc. – dass bestimmte Lebensmittel „gesünder“ sind als andere. Gesund ist z. B. Gemüse oder Obst, ungesund sind Pizza, Pommes, Burger, Süßigkeiten oder auch: „Alles, was lecker ist“. Was gesund und ungesund eigentlich bedeutet, ist, dass es ungesund wäre, viel von dem einen zu essen und gesund, viel von dem anderen zu essen. Jeden Tag Pommes zu essen ist also weniger gesund als jeden Tag Gemüse zu essen. Gesund und ungesund kann nämlich natürlich immer nur die Ernährung sein und nicht ein einziges Lebensmittel, es sei denn, es ist akut giftig. Deswegen ist es völlig verständlich, wenn wir die Lebensmittel in die Schubladen „gesund“ und „ungesund“ stecken. Wir sehen im Supermarkt einen Brokkoli und packen ihn in die Schublade „gesund“. Wir sehen eine Tüte Chips und packen sie in die Schublade „ungesund“. Das kann völlig unproblematisch für uns sein. Es kann jedoch auch passieren, dass daraus für uns die Schubladen „erlaubt“ und „verboten“ werden. Dass wir bei der Tüte Chips denken: Die ist ungesund, die ist verboten. Wenn wir es essen, ist das „Gönnen“. Es zu essen, muss verdient sein.
Wie Schubladendenken zu Heißhunger und Essanfällen führen kann
Psychologisch gesehen führt diese Einordnung in die Schublade „verboten“ dazu, dass wir die Chips mehr begehren. Die genauen Mechanismen, wie dieses größere Verlangen nach dem, was verboten ist, entsteht, habe ich in Folge 3 beschrieben. Da ist das, was wir essen sollten und das, was wir nicht essen sollten, was wir aber eigentlich gerne essen würden. Und je mehr wir es essen wollen, desto mehr verbieten wir es uns, desto mehr wollen wir es essen ... So entsteht ein Teufelskreis, aus dem es gar nicht so leicht ist, wieder herauszukommen.
Was können wir machen, sodass es nicht zu diesem Teufelskreis kommt? Wichtig ist dafür zunächst einmal, uns bewusst zu machen, dass, wie schon gesagt, nur die Ernährung gesund oder ungesund sein kann. Eine Ernährung mit viel Gemüse ist gesund. Viel Gemüse bedeutet aber nicht keine Pommes (mal abgesehen davon, dass Pommes aus Kartoffeln sind und somit auch Gemüse, aber die sind trotzdem nicht gemeint, wenn von 5 Portionen Gemüse und Obst am Tag oder Ähnlichem die Rede ist :D). Deswegen würde ich mich einfach auf das fokussieren, was ich auf jeden Fall in meiner Ernährung drin haben möchte. Auf das, was gesundheitsförderlich ist. Und nicht auf das fokussieren, was ich NICHT in meiner Ernährung haben möchte. Es ist alles erst mal „gut“. Das eine für die eine Person mehr, das andere weniger (denn natürlich müssen auf individuelle Allergien und Unverträglichkeiten Rücksicht genommen werden). Vielleicht ist etwas besonders gut für deine körperliche Gesundheit, vielleicht ist etwas besonders gut für deinen Genuss. Aber erst mal ist alles „gut“. Nichts ist schlecht oder verboten. Alles liefert dir Energie und Nährstoffe und ist deswegen für deinen Körper erst mal gut.
Im nächsten Schritt kannst du schauen, wovon du besonders viel in deiner Ernährung haben möchtest, damit es dir besonders gut geht.
Das war’s. Keine weitere Einteilung. Nichts muss verdient werden, denn es gibt nichts, das schlecht ist, dass verboten ist. Natürlich wird anfangs trotzdem immer wieder der Gedanke „Das ist ungesund.“ in deinem Kopf auftauchen. So schnell kriegt man diesen Gedanken da nicht raus. Das ist aber gar nicht schlimm. Wenn du dir dem bewusst wirst, reicht das schon. Wenn du diesen Gedanken wahrnimmst, dann kannst du ihn auch wieder gehen lassen. Du kannst dir dafür ganz bewusst STOP sagen oder so etwas wie: Ah, da ist wieder der Gedanke, dass das ungesund ist. Oder aber du lässt ihn einfach gehen. Und wenn er nach ein paar Sekunden wieder da ist, dann machst du das gleiche einfach nochmal. Wir haben diesen Gedanken Jahre lang in unser Gehirn eingebrannt, dann wird er auch nicht so schnell wieder verschwinden. Wichtig ist, dass du nicht aufgibst, weil du das Gefühl hast, nicht weiterzukommen. Sei geduldig mit dir!
Musik: Back to Memories von DeKibo, verwendet unter Lizenz von Shutterstock
