Warum Prävention so wichtig ist und warum sie uns so schwer fällt

Alle, Ernährung, Ernährungspsychologie | 10. Mai 2024

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Heute soll es um ein Thema gehen, was einen sehr unsexy Ruf hat und teilweise ist das auch berechtigt, aber dazu später mehr. Es soll um Prävention gehen. Prävention wird ein immer wichtigeres Thema. Wie ihr vielleicht schon gehört habt, werden die übertragbaren Krankheiten immer weniger, die, die nicht übertragbar sind, jedoch immer mehr. Darunter fallen Krankheiten wie Herzkreislauferkrankungen (Schlaganfall, Herzinfarkt, Bluthochdruck), Diabetes mellitus (v.a. Typ 2), Demenz, Krebs und chronische Atemwegserkrankungen. Diese Krankheiten werden stark vom Lebensstil beeinflusst und deswegen kommt hier auch der Prävention so eine tragende Rolle zu. Man geht davon aus, dass bis zu 80 % dieser Erkrankungen vermeidbar wären, durch eine Veränderung des Lebensstils. Nicht alle nicht übertragbaren Erkrankungen wie Krebs werden durch den Lebensstil beeinflusst. Also der Schluss, wenn jemand Krebs oder eine andere nicht übertragbare Erkrankung hat, dass derjenige einen schlechten Lebensstil geführt hat, der stimmt natürlich nicht.


Was bedeutet Prävention?

Das zeigt also, wie wichtig Prävention ist. Was bedeutet Prävention eigentlich genau? Prävention meint das Verhindern einer Krankheit, das Vorbeugen.

Wir unterscheiden in die Primärprävention, die Sekundärprävention und die Tertiärprävention.

Die Primärprävention richtet sich an alle gesunden Menschen. Das ist das, was im allgemeinen Sprachgebrauch mit Prävention gemeint ist. Darunter fallen z. B. Impfungen, Unfallverhütung oder ein gesunder Lebensstil.

Die Sekundärprävention richtet sich an Personen mit Risikofaktoren. Hierbei geht es darum, dass die Erkrankung, für die die Risikofaktoren gegeben sind, verhindert wird, frühzeitig erkannt wird und eine Verschlimmerung verhindert wird. Darunter fallen z. B. Screenings und Vorsorgeuntersuchungen oder z. B. auch Lebensstilanpassungen, wenn schon Risikofaktoren vorhanden sind.

Die Tertiärprävention richtet sich an bereits kranke Menschen. Hierbei geht es darum, eine Verschlimmerung oder auch einen Rückfall zu verhindern. Darunter fällt z. B. eine Reha.


Warum Prävention psychologisch gesehen wenig reizvoll erscheint

Warum fällt uns Prävention dann so schwer, wenn sie doch so wichtig ist und so viele Krankheiten dadurch verhindert werden können?

Zum einen ist ein mögliches Wegfallen einer negativen Konsequenz in der Zukunft keine große Motivation. Eine jetzige, sofort eintretende Belohnung wie etwas Leckeres zu essen ist viel motivierender als eine Belohnung in weit entfernter Zukunft. Zumal sie ja nur eventuell eintreten wird, weil wir ja nicht mit 100 %iger Sicherheit krank werden. Deswegen wählen wir lieber die sofortige, sichere Belohnung der Schokoladentafel.

Außerdem ist die Motivation bei der Prävention ja die Angst. Die Angst vor dem Krank werden. Angst ist glaube ich die beste Strategie, um etwas zu verkaufen beispielsweise, also kurzfristig ist das eine sehr große Motivation. Langfristig, also immer und immer wieder, glaube ich nicht so sehr. Will man sich immer wieder mit Angst beschäftigen?

Angst nimmt uns ein Stück weit unsere Autonomie, unsere Selbstbestimmung. Wir müssen etwas tun, sonst wird man krank. Und das bewirkt meistens Reaktanz. Reaktanz wird immer dann ausgelöst, wenn unsere Autonomie eingeschränkt wird. Wenn du also etwas nur deswegen machen möchtest, weil du es NICHT machen sollst, dann ist das Reaktanz und psychologisch gesehen völlig verständlich, weil man nur so, mit der Durchführung des verbotenen Verhaltens, seine Autonomie bewahren kann.

Zudem handelt es sich hier meistens um eine extrinsische Motivation. Wir tun etwas, um nicht krank zu werden. Z. B. bewegen wir uns mehr. Wenn wir die Bewegung aber eigentlich gar nicht machen wollen, dann haben wir keine intrinsische Motivation. Die Tätigkeit an sich motiviert uns nicht. Es kann auch sein, dass du vielleicht anfangs noch intrinsische Motivation hattest. Z. B. bist du vielleicht immer gerne spazieren gegangen und hast jetzt von deinem Arzt zu hören bekommen, dass du dich mal mehr bewegen sollst, weil ihm z. B. dein Gewicht nicht gefällt und er der Meinung ist, dass du abnehmen solltest. Infolgedessen nimmst du dir vor, dich mehr zu bewegen, aber statt, dass du öfter spazieren gehst, gehst du nun sogar weniger spazieren als vorher. Woran liegt das? Das liegt daran, dass intrinsische Motivation nicht, wie viele denken durch extrinsische Motivation gefördert wird, sondern im Gegenteil. Sie wird durch extrinsische Motivation verringert. Das wird im gesellschaftlichen oder politischen Kontext ganz oft falsch gemacht. Intrinsische Motivation kann nicht von außen gefördert werden. Wir müssen versuchen, intrinsische Motivation zu kreieren. Indem wir z. B. eine Bewegung wählen, die uns Spaß macht oder persönliche Ziele wählen, die wir gerne erreichen möchten, wie stärker werden.

Was können wir also machen, wenn Prävention doch so wichtig ist, aber sie so unmotivierend ist. Ich habe schon mal die Salutogenese angesprochen. Prävention gehört zum Konzept der Pathogenese. Salutogenese und Pathogenese sind zwei unterschiedliche Sichtweisen auf Gesundheit und Krankheit. Während in der Pathogenese Gesundheit und Krankheit zwei voneinander unabhängige Dimensionen sind, sind sie in der Salutogenese die beiden Endpunkte EINER Dimension. Wenn ich meine Gesundheit fördere, verringere ich automatisch meine Krankheit. In der Prävention liegt der Fokus auf dem Verhindern von Krankheit, in der Salutogenese auf dem Fördern der Gesundheit. Es geht darum, was man machen kann, um seine Gesundheit jetzt in der Gegenwart zu steigern. Dadurch haben wir eine kurzfristige positive Konsequenz statt nur den potentiellen Wegfall von etwas Negativem in der Zukunft. Wir haben intrinsische Motivation, behalten unsere Autonomie und es bildet sich keine Reaktanz, weil wir es machen, um unser jetziges Wohlbefinden zu steigern.

Deswegen lade ich dich zu diesem Perspektivwechsel ein: Was kannst du tun, um deine Gesundheit zu steigern? Was kannst du tun, um dich wohler zu fühlen und glücklicher zu sein?


Musik: Back to Memories von DeKibo, verwendet unter Lizenz von Shutterstock

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