Die Kraft unserer Gedanken

Alle, Psychologie | 19. September 2025

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Ich mache ja gerade ein Auslandssemester in Schweden und belege hier unter anderem das Modul Health Psychology. In dieser Woche ging es um ein sehr spannendes Thema: die Kraft unserer Gedanken.

Wie können unsere Gedanken unsere Physiologie beeinflussen? Ganz genau wissen wir das nicht. Aber die Effekte lassen sich beobachten.


Voodoo Deaths – Gedanken, die tödlich sein können

Ein Beispiel stammt von dem Physiologen und Psychologen Walter B. Cannon. Er untersuchte die sogenannten „Voodoo Deaths“. Menschen, die glaubten, durch einen Fluch sterben zu müssen, sind tatsächlich gestorben. Nicht, weil sie wirklich verflucht waren, sondern weil sie überzeugt davon waren. Krankheiten oder andere Ursachen konnten ausgeschlossen werden.


Zurück in die Jugend – das Kloster-Experiment

Ein weiteres Beispiel: Ältere, gebrechliche Männer, die gewohnt waren, betreut zu werden, wurden für eine Woche in eine abgelegene Wohnanlage gebracht – ein Kloster. Dort war alles so gestaltet, wie sie es aus ihrer Jugendzeit in den 1940er-Jahren kannten: Bücher, Poster, Musik, Filme und Themen. Die Männer sollten über diese Ereignisse sprechen, als fänden sie gerade statt. Außerdem mussten sie sich selbst um ihre Mahlzeiten kümmern. Nach nur einer Woche zeigten sich Veränderungen: Sie schnitten besser in Leistungs-, Seh- und Hörtests ab, waren aktiver, beweglicher und positiver gestimmt.


Putzen als Workout – das Hotel-Experiment

Ein weiteres Experiment wurde mit Putzkräften durchgeführt: Wenn sie ihre tägliche Arbeit – Betten beziehen, Zimmer säubern – als sportliche Aktivität betrachteten, fühlten sie sich nach einem Monat fitter. Im Durchschnitt hatten sie sogar ein Kilogramm abgenommen.

Eine Kontrollgruppe im selben Hotel, die ihre Arbeit mit der gewohnten Einstellung verrichtete, zeigte dagegen keinerlei Veränderungen.


Placebo und Nocebo – die Erwartungen entscheiden

Sehr eindrücklich zeigen auch der Placebo- und der Nocebo-Effekt die Kraft unserer Gedanken. Beim Placebo-Effekt bessern sich Beschwerden, obwohl nur ein Scheinmedikament verabreicht wurde.

Allein die Erwartung einer Wirkung reicht, um echte körperliche Veränderungen auszulösen – etwa Schmerzlinderung oder gesteigertes Wohlbefinden.

Beim Nocebo-Effekt passiert das Gegenteil. Wer fest davon überzeugt ist, dass eine Behandlung Nebenwirkungen hat, kann diese tatsächlich entwickeln – selbst ohne Wirkstoff.

Studien zu elektromagnetischer Strahlung von Handys oder WLAN zeigen das sehr deutlich. Probanden, die glaubten, Strahlung ausgesetzt zu sein, berichteten über Kopfschmerzen, Schwindel oder Konzentrationsschwierigkeiten. Das geschah auch in Situationen, in denen überhaupt keine Strahlung eingeschaltet war.


Wie wirken Gedanken im Gehirn?

Wie lassen sich solche Effekte erklären? Unser Gehirn besteht aus Milliarden von Nervenzellen, den Neuronen. Diese sind über Synapsen miteinander verbunden.

Gedanken sind nichts anderes als Neuronen, die feuern und ihre Aktivität an andere Neuronen weitergeben. Dadurch entstehen Signale, die im Gehirn verarbeitet werden.

So wird auch verständlich, warum positives Denken tatsächlich einen Unterschied macht. Wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf positive Dinge richten, werden die neuronalen Verbindungen, die damit in Zusammenhang stehen, gestärkt.


Warum Körper und Geist untrennbar verbunden sind

Früher ging man von einem dualistischen Modell aus: Körper und Geist, Körper und Psyche wurden strikt getrennt.

In unserem Sprachgebrauch tun wir das bis heute und vielleicht habe ich das auch in diesem Podcast manchmal gemacht. Aber eigentlich lässt sich diese Trennung nicht aufrechterhalten.

Unser Gehirn ist Teil unseres Körpers. Und unsere Psyche ist unser Gehirn.

Ein gutes Beispiel ist Stress. Wir beschreiben Stress oft als psychisches Phänomen, als Konstrukt. Was dahinterliegt ist jedoch ein tatsächlich stattfindender, messbarer, körperlicher Prozess. Stress bedeutet nichts anderes als neuronale und hormonelle Antworten unseres Körpers auf wahrgenommene Bedrohungen.


Fazit: Warum Gedanken Gesundheit und Wohlbefinden steuern

Diese Effekte machen klar: Unsere Gedanken, Erwartungen und Überzeugungen können messbare körperliche Reaktionen hervorrufen. Und sie zeigen, wie eng Körper und Psyche miteinander verbunden sind. Was wir denken, ist wichtig. Was wir denken, hat einen Einfluss auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden.


Literatur

Kloster- und Hotel-Experiment: Langer, E.J. (1989). Mindfulness. Boston, MA: DaCapo Press. entnommen aus: Hautzinger, M. & Pössel, P. (2017). Kognitive Interventionen (Standards der Psychotherapie 1). Göttingen: Hogrefe.


Musik: Back to Memories von DeKibo, verwendet unter Lizenz von Shutterstock

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