Die Angst vor der Gewichtszunahme besiegen

Alle, Ernährungspsychologie, Psychologie | 10. Oktober 2025

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Eines der größten Themen in meiner Beratung ist die Angst vor der Gewichtszunahme. Genau diese Angst ist es, die das Verhalten vieler meiner Klienten steuert. Wenn ich keine Angst davor habe, zuzunehmen, dann kann ich essen, was und wie viel ich möchte. Eine weitere Angst könnte auch die Angst sein, ungesunde Dinge zu essen. Aber davon einmal abgesehen, gibt es ohne die Angst vor der Zunahme keinen Grund mehr, das Essen einzuschränken. Das heißt, wenn diese Angst besiegt ist, kann intuitiv gegessen werden.


Vertrauen statt Kontrolle

Hinter der Angst steckt ein sehr häufiges Motiv: der Wunsch nach Kontrolle. Wenn wir unser Essen kontrollieren, wenn wir kontrollieren, wie viel wir essen, dann haben wir die Kontrolle. Das intuitive Essen nach Hungergefühl fühlt sich wie eine Aufgabe dieser Kontrolle an. Statt zu kontrollieren, müssen wir vertrauen. Vertrauen auf unseren Körper und seine Mechanismen, die danach streben, das Gewicht möglichst konstant zu halten.

Der entscheidende Schritt, um von der Kontrolle ins Vertrauen zu kommen, ist sich zu fragen, was denn dafür spricht, dass man ohne Kontrolle zunimmt. Ganz viele meiner Klienten haben noch nie die Erfahrung gemacht, dass sie ohne Kontrolle zunehmen. Es spricht also gar nichts dagegen, dass es nicht auch ohne Kontrolle klappen könnte. Viele haben aber auch noch nie NICHT kontrolliert. Wenn man sein Leben lang sein Essen einschränkt, dann hat man ja nie die Erfahrung gemacht, dass man gar keine Kontrolle braucht. Deswegen kann es eine sehr bedeutsame Erfahrung sein, wenn man lernt, dass man überhaupt keine Kontrolle benötigt. Deswegen ist es ein so wichtiger Schritt, die Kontrolle aufzugeben. Natürlich muss das nicht plötzlich passieren, denn das ist mit vielen Ängsten und Unsicherheiten behaftet, die auch dazu führen können, dass man – vielleicht auch unbewusst – doch noch Verhaltensweisen beibehält, die sicherstellen sollen, dass doch nicht alles aus dem Ruder läuft. Und so verhindern, dass man wirklich lernen kann: Es geht auch ohne Kontrolle.

Deswegen kann es sehr hilfreich sein, sich dabei Unterstützung zu holen. Wenn du diesen Weg nicht allein gehen möchtest, schau doch gerne mal bei meinem Angebot vorbei oder schreib mir einfach eine Nachricht.


Den Körper annehmen

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, seinen Körper anzunehmen, wie er ist. Ihn als mehr zu sehen als sein Gewicht. Auch ohne Idealgewicht glücklich sein zu können. Das Leben nicht vom Gewicht abhängig zu machen. Das Leben hat so viel mehr Facetten, als wie viel man wiegt und wenn man das erkennt, kann man das Projekt Abnehmen als das sehen, was es ist: EIN Projekt und keine Lebensaufgabe, die es zu erfüllen gilt, koste es, was es wolle. Ausführlich auf das Thema Körperbild bin ich in diesem Beitrag eingegangen: Was ist unser Körperbild und wie können wir es verbessern?


Den Kampf gegen die Angst vor der Gewichtszunahme aufgeben

Paradoxerweise führt der Versuch, ein Gefühl wegzubekommen häufig dazu, dass es noch intensiver wahrgenommen wird. Eine Angst wird nicht von heute auf morgen verschwinden. Und ein kurzer Motivationsschub, weil man eine motivierende Rede oder ein motivierendes Zitat gehört hat, ist leider genau das: nur von kurzer Dauer. Die Realität macht sich leider nicht so gut am Kühlschrank oder im Instagram-Feed. Die Realität ist deutlich mühsamer. Wahrscheinlich wird anfangs jeden Tag, immer und immer wieder, die Angst kurz einmal wieder auftauchen: wenn man sich im Schaufenster sieht, wenn man essen geht, wenn man andere sieht, die gefühlt viel besser aussehen, wenn man sich anzieht und überlegt, ob die Hose enger sitzt. Es gibt unzählige Situationen, die dich daran erinnern können, dass Essen und das Gewicht ja ein Thema für dich sind. Zu versuchen, gegen diese Ängste anzukämpfen, wird nichts bringen. Stattdessen kannst du anerkennen, dass diese Ängste noch ein Teil von dir sind, dass sie nicht sofort verschwinden werden. Das heißt aber nicht, dass du ihnen zuhören musst. Dass du ihnen weiter Aufmerksamkeit schenken musst. Du kannst diese Angst einfach wie einen unliebsamen Gast neben dir sitzen lassen, aber musst dich nicht mit ihm unterhalten. Du musst ihm auch keinen Kaffee machen. Aber du musst dich nicht den ganzen Tag damit beschäftigen, den Gast aus deiner Wohnung zu vertreiben. Dies sind Methoden, wie du mit Gedanken rund um deine Angst umgehen kannst:

  • Stopp: Sag gedanklich einfach „Stopp.“ Und dann denkst du nicht mehr darüber nach. Es kann sein, dass du das zwei Minuten später wieder machen musst, aber das macht nichts.
  • Defusion: Defusion bedeutet, dass man Abstand zu einem Gedanken gewinnt. Das kann man z. B. machen, indem man einen Gedanken als das erkennt, was er ist: nur ein Gedanke. Z. B. kannst du denken: „Ah, da ist wieder der Gedanke, dass ich hässlich sei.“ Oder du stellst dir ein kleines Teufelchen in dir vor, der dir versucht, Dinge einzureden (Du kannst ihm auch einen Namen geben: „Das ist nur wieder Horst, der da labert.“). Oder du singst deinen Gedanken... Es gibt ganz viele verschiedene Methoden, wie man Abstand zu seinen Gedanken bekommen kann.
  • Liebevolle Erwiderung: Was würdest du einer Freundin sagen, wenn sie dir von diesem Gedanken erzählen würde? Sei dir selbst diese gute Freundin und finde eine liebevolle Erwiderung.
  • Hinterfragen: Muss dein Gedanke so eigentlich stimmen oder könnte es nicht auch noch andere Möglichkeiten, Szenarien etc. geben?

Die Angst vor der Gewichtsabnahme besiegen: Fazit

Du bist mit der Angst davor, zuzunehmen, definitiv nicht allein. Das ist eins der wichtigsten Themen auf dem Weg zu einem gesunden Essverhalten. Lass dir Zeit dabei und sei geduldig mit dir. Gehe Schritt für Schritt raus aus der Kontrolle und rein in das Vertrauen. Lerne, deinen Körper anzunehmen und dich mit all deinen verschiedenen wunderbaren Facetten anzunehmen. Kämpfe nicht gegen die Angst an, sondern sehe sie als einen Begleiter, der mit der Zeit immer seltener deinen Weg mit dir gehen wird.



Musik: Back to Memories von DeKibo, verwendet unter Lizenz von Shutterstock

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